16 – 19.Mai: Ins Herz der Bestie


Nachdem schon am 31.März 6000 Kapitalismusgegner gegen die Krisenpolitik des deutschen Imperialismus und für eine grundlegende Kritik an dem kapitalistischen Wirtschaften durch die Strassen der Frankfurter Bankenmetropole gezogen sind und ihre Ablehnung an den ein oder anderen Ort auch ganz handfest artikuliert haben, ruft nun ein breites Bündnis zu antikapitalistischen Aktionstagen vom 17 – 19.Mai in der Bankenmetropole auf. Ziel ist es mit massenhaften Aktionen des zivilen Ungehorsams das finanzielle Zentrum des deutschen Imperialismus für einen Tag lahmzulegen und den antikapitalistischen Protest vor die EZB, die Börse und die Deutsche Bank zu tragen. Auch das revolutionäre Bündnis „3A“ mobilisiert mit einem eigenen Aufruf und Plakat für einen revolutionär-antikapitalistischen Ausdruck bei den Aktionen Mitte Mai in Frankfurt.

17.Mai | Anreise und errichtung eines Camps in der Frankfurter Innenstadt
18.Mai | Bloccupy Frankfurt | Massenhafte Aktionen im Herzen der Bestie
19.Mai | Internationale Grossdemo

Ins Herz der Bestie!
Die Zentren des deutschen Imperialismus angreifen!

Bereits vor, verstärkt aber seit Ausbruch der Krise arbeitet das deutsche Kapital an der Verwirklichung eines alten Projekts: der Herstellung eines deutsch-dominierten europäischen Wirtschaftsraums. Dazu bedient es sich – immer im Spannungsfeld von Kooperation und Konkurrenz mit den anderen „Kernländern“ der EU – der institutionellen Mittel der Europäischen Union, um den Peripheriestaaten (Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, usw.) systematisch eine Kürzungs- und Privatisierungspolitik aufzuzwingen, die ihresgleichen sucht: Massenentlassungen, Lohnkürzungen, Ausverkauf von staatlichem Eigentum, Abbau von Sozialleistungen – das sind die Eckpunkte der in Berlin und Brüssel geschnürten „Rettungspakete“.
Nachdem das Kapital aus den ökonomisch starken imperialistischen Kernländern der EU jahrzehntelang die ökonomisch Schwächeren mit einer Mischung aus Kapital- und Warenexport kaputtkonkurriert hat, werden diesen „Schuldnerstaaten“ nun die nächsten deutschen Exportprodukte aufdiktiert: HartzIV und Agenda 2010 sollen gesamteuropäische Zwangsmaßnahmen werden, die Peripheriestaaten werden damit noch stärker als bisher zu Zonen von Niedriglohn, Arbeits- und Perspektivlosigkeit und Armut.

Krieg nach innen und außen

Es dürfte damit offensichtlich sein, dass die immer wieder beschworenen Formeln von der Europäischen Union als einem „Friedensprojekt“ und einem Zusammenschluss von Staaten zum Zwecke gegenseitiger Hilfe völlig realitätsferne Floskeln sind. Es handelt sich bei der EU um ein Kriegsprojekt im mehrfachen Sinne: Nach innen wird gegen die eignen Bevölkerungen ein Krieg zur Durchsetzung der Interessen der Banken und Konzerne geführt, nach außen ein ökonomischer Krieg gegen andere Staaten. Gleichzeitig rüstet sich Brüssel um in Zukunft auch militärisch eigenständig global handlungsfähig zu sein.

Dabei ist die EU ein in sich widersprüchliches imperialistisches Zweckbündnis mit verschiedenen Interessenkonstellationen: Einerseits gibt es den Widerspruch zwischen den „Kernstaaten“ (Frankreich, Deutschland) und den Ländern der Peripherie, bei dem erstere darauf bedacht sind, letztere so effektiv wie möglich auszunehmen und ihren Zwecken unterzuordnen. Daneben aber gibt es auch unter den „Kernstaaten“ Konflikte darüber, wie dieses Europäische Kapitalregime aussehen soll, und wer darin welche Rangordnung einnehmen kann. Und gleichzeitig gibt es die Bestrebung die EU als Ganzes als „global player“ gegen die noch stärkste imperialistische Macht, die USA in Stellung zu bringen. Letzteres Projekt braucht einen starken Euro als zweite Weltwährung in Konkurrenz zum Dollar.
Diese Momente sind wichtige Triebkräfte der imperialistischen Kernländer. Der deutsche Imperialismus stellt dabei die zur Zeit stärkste Kraft dar und kann aus dieser Position heraus seine Interessen am Wirksamsten umsetzen. Berlin verfolgt dabei die Strategie einerseits die Währungsgemeinschaft nicht auseinanderbrechen zu lassen, um die Stellung der EU als „global player“ nicht zu gefährden. Andererseits sollen durch „Rettungspakete“, eine bankenfreundliche Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die den „Schuldnerstaaten“ aufgezwungenen Maßnahmen ökonomischen wie sozialen Kahlschlags westeuropäische Banken und Finanzinvestoren stabilisiert werden.

Auf Kosten der Arbeiterklasse

Diese Art von Krisenbewältigung hat ihren Preis – und den zahlen selbstverständlich nicht das Kapital und seine politischen InteressenvertreterInnen. In Griechenland führen immer neue „Sparpakete“ zu weiterer Deindustrialisierung und dem Erodieren der Volkswirtschaft. Hunderttausende sind von Lohn- und Rentenkürzungen betroffen, viele verlieren ihren Job, die letzten Reste des Staatseigentums werden verscherbelt. In Spanien beträgt die Erwerbslosigkeit inzwischen 23 Prozent, jeder zweite Jugendliche ist ohne Arbeit. Besonders betroffen sind hier (oft illegale) ArbeitsmigrantInnen, die schon zuvor, wenn sie denn das mörderische Grenzregime der EU irgendwie überwinden und ins Land kommen konnten, zu den ausgebeutetsten Schichten der Arbeiterklasse zählten. In Portugal wurden Löhne gekürzt und Renten eingefroren, und auch in Italien wurde beschlossen mehrere Milliarden Euro einzutreiben, „um die Finanzmärkte zu beruhigen“.
Dieser soziale Kahlschlag geht einher mit dem Abbau nationaler Souveränität und der Beseitigung des letzten Scheins von Demokratie in den betroffenen Staaten. Längst wird in Brüssel und Berlin entschieden, was in Athen und Rom umgesetzt werden soll. Damit auch ganz sicher ist, dass sich die jeweiligen Regierungen nicht den Wünschen des Kapitals der imperialistischen Hauptmächte innerhalb der EU widersetzen, werden sie bereits vor den Wahlen auf die Einhaltung ihrer „Verpflichtungen“ gegenüber der EU festgelegt. Im Notfall werden eben sogenannte „Expertenregierungen“ wie die unter Loukas Papadimos in Griechenland oder die Mario Montis in Italien gebildet. Deren einziger Zweck ist, frei von der Notwendigkeit wiedergewählt zu werden, die vermeintlich alternativlosen Sachzwänge der kapitalistischen Reproduktion gegen die Lebensinteressen der Menschen durchzuboxen.

Frankfurt grüßt Athen

In den Peripheriestaaten regt sich gegen diese Krisenbewältigungspolitik längst massenhafter, entschlossener Widerstand: Demonstrationen von Hunderttausenden, Generalstreiks, Fabrikbesetzungen, militante Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Menschen in den Peripheriestaaten werden sich zunehmend dessen bewusst, dass es keine Alternative zum Kampf gegen dieses System von Ausbeutung und Unterdrückung gibt. Die Aufstände in Nordafrika und dem Nahen Osten zeigen, dass dieser Prozess keineswegs an den Grenzen Europas aufhört und Menschen weltweit anfangen nach gesellschaftlichen Alternativen zu suchen.

Währenddessen bleibt es in Deutschland relativ ruhig – und das, obwohl auch hierzulande der Druck auf die Erwerbslosen, Jugendlichen und Teile der Lohnabhängigen ständig steigt. Auch die Aufstände in Nordafrika und dem mittleren Osten zeigen uns, dass über die Grenzen Europas hinaus die Masse der Bevölkerung nicht mehr bereit ist Ausbeutung und Unterdrückung hinzunehmen und anfängt nach gesellschaftlichen Alternativen zu suchen.

Deshalb wollen wir zusammen mit anderen Gruppen am 18. Mai in Frankfurt versuchen, ein offensives Zeichen internationaler Klassensolidarität zu setzen. Wir wollen unseren Widerstand ins Herzen der Bestie tragen und das ökonomische Zentrum des deutschen Imperialismus blockieren und angreifen. Damit wollen wir in Deutschland Klassenkämpfe entfalten und für die GenossInnen in Athen, in Thessaloniki, in Madrid, in Bilbao und in den anderen Orten der europäischen Peripherie sichtbar machen, dass auch in der BRD Menschen Widerstand gegen den deutschen Imperialismus und sein autoritäres Krisenbewältigungsregime leisten.

Klasse gegen Klasse!
Krieg dem Krieg!
Für den Kommunismus!

Revolutionäre 1. Mai-Demonstration in Magdeburg


Heute beteiligte sich die Antifaschistische Offensive Leipzig an der Revolutionären 1.Mai- Demonstration in Magdeburg.

„in kürze erscheint ein ausführlicher Bericht“

Revolutionärer 1.Mai Von Leipzig nach Magdeburg

Am 1.Mai nach Magdeburg!
Seit Jahren findet in Magdeburg die Revolutionäre 1.Mai Demo statt ,
die es auch dieses Jahr wieder zu unterstützen gilt .
Die Antifaschistische Offensive Leipzig möchte dieses Jahr wieder
ein Zeichen gegen das herrschende Kapitalistische System und die damit verbundenen Verhältnisse von Imperialistischen Kriegen, Ausbeutung und Unterdrückung setzen .

Lasst uns deshalb gemeinsam nach Magdeburg fahren um den Widerstand auf die Straße zutragen.

Klassenkämpfe entfalten – Solidarität aufbauen
Für die soziale Revolution!

Treffpunkt Leipzig: 9.00Uhr Hbf – am Gleis 14

Revolutionäre 1. Mai-Demonstration Magdeburg

1.Mai212
Grenzenlose Klassensolidarität, statt einzwängendem Kapitalismus!
Der 1. Mai hat bereits eine lange und internationale Tradition. Seit fünf Jahren demonstrieren wir in Magdeburg wieder am 1.Mai, um diesen kämpferisch zu begehen. Wir gehen an diesem Tag auf die Straße, um zu einer Stimme der Ausgebeuteten zu werden. Wir werden uns auf der Straße kämpferisch Gehör verschaffen, um dem kapitalistischen Ausbeutungsgedanken zu widersprechen. Der Kapitalismus wird sein Ende finden und zwar durch unsere Solidarität! Unser Ziel dabei in Magdeburg ist es an diesem Tag die lokalen sowie internationalen Kämpfe in einen gemeinsamen Kontext zu setzen. So fordern wir bessere soziale Bedingungen für alle Menschen und sprechen uns gegen Krieg, Militarismus und Besatzung aus. Weltweit finden an diesem Tag ausdrucksstarke Demonstrationen aus ein und demselben Hintergrund statt: Dem Kampf für ein menschenwürdigeres Leben und eine befreite Gesellschaft!

Lieber sparen wir uns die miese Clique an Wirtschaftsbossen, Politikern und Generälen…
… und kämpfen selbst organisiert für unsere aller Freiheit. Während weltweit unterdrückte Menschen gegen ihre Diktaturen aufstehen und das deutsche Militär, wie zum Beispiel in Afghanistan, Kriegseinsätze vorantreibt, gilt es die Auseinandersetzungen hier vor Ort zu führen. Deutschland ist der drittgrößte Rüstungsexporteur weltweit, so haben deutsche Rüstungskonzerne 2011 so viel Geld verdient wie noch nie. So hat bspw. die deutsche Firma Heckler und Koch das Importverbot nach Libyen umgangen. Heckler und Koch baute vor Ort ein Werk auf und verdiente kräftig mit am Krieg.
Es scheint normal, dass viele deutsche Waffen in Kriegen wie in Kurdistan, Israel/Palästina, Tunesien, Ägypten, Libyen, Irak usw. zum Einsatz kommen. Wir sagen – Nein!

Auch Nein sagen wir dazu, dass der Krieg bei uns vor der eigenen Haustür vorbereitet wird. In der Colbitz – Letzlinger Heide befindet sich das Gefechtsübungszentrum „Heer“, wo monatlich ca. 1200 Soldaten ausgebildet werden, um dann direkt in Kriegseinsätzen eingesetzt zu werden. Hinzu kommt, dass der Truppenübungsplatz um ein „urbanes Zentrum“ ausgebaut wurde, um auch in Großstädten noch besser Krieg führen zu können und auf eine Aufstandsbekämpfung vorbereitet zu sein. Kein Mensch glaubt noch daran, dass Afghanistan „demokratisiert“ und „befreit“ werden sollte. Es ist offensichtlich, dass es um die imperialistische und geostrategische Machtverteidigung der NATO-Staaten sowie der EU ging. Der scheinbare Wohlstand in den „Industriemetropolen“ beruht auf der blutigen Unterdrückung der militärisch besetzten und wirtschaftlich ausgebeuteten Regionen der Welt. Er wird bezahlt mit dem Blut unserer Brüdern und Schwestern.

„Denn der Krieg, der jetzt durch die Länder geht, ist der Krieg gegen dich Prolet!“(B.Brecht)
In Deutschland und Europa wird der staatliche Überwachungs- und Sicherheitsapparat permanent ausgebaut, um uns weiter einzuschüchtern und zu überwachen. Steigende Mieten, Leiharbeit, sinkende (Real-) Löhne, höhere Lebenserhaltungskosten, steigende Energiekosten, Kürzungen in der Gesundheitsfürsorge und Arbeitslosigkeit führen unweigerlich zu einem Unbehagen in der Bevölkerung. Die sozialen Rebellionen in vielen Regionen Europas und den arabischen Staaten sorgen darum auch für Verunsicherung bei den Herrschenden in den imperialistischen Machtzentren. Um einer Eskalation unserer Wut vorzubeugen und die Machtposition der Besitzenden auszubauen, führen die Regierenden ebenso einen Krieg nach innen. So wurden bei der Einführung von Hartz4 nicht umsonst die Aufstandsbekämpfungsgesetze ausgebaut und bspw. dem Bundesgrenzschutz mehr Handlungsspielraum in Krisenzeiten zugesprochen. Sie fürchten sich davor, dass wir nicht mehr länger bei ihrem Schauspiel zuschauen, sondern selbst wieder Akteure werden. Wenn wir uns zusammen schließen wird unser Protest umso wirkungsvoller.
Doch da, wo Widerstand erfolgreich organisiert wird, wird andererseits auch hart von der Staatsmacht zugeschlagen, wie bspw. bei Stuttgart 21, den unzähligen Castortransporten oder bei Gegenaktivitäten zu Naziaufmärschen. Aber auch der kaltblütige rassistische Mord, wie im Falle Oury Jallos, als staatliches legitimiertes Mittel gegen missliebige Menschen, scheint immer häufiger zur Option zu werden. Aber eben nicht nur Knüppel und Gesetze zwängen uns diese Realzustände offenbar auf.
„Im Land der Frühaufsteher“ heißt es für die Meisten früh aufzustehen oder im Arbeitsamt schikaniert zu werden. Einem der größten Arbeitgeber der Landeshauptstadt „Enercon“ (Windkraftanlagenhersteller) räumt man bspw. absolute Ausbeutungsfreiheiten ein. Das beginnt bei permanenten Sicherheitsverstößen zu Gunsten der Produktionsgeschwindigkeit und auf Kosten der Arbeitergesundheit. Und setzt sich fort bei offensiver Bekämpfung gewerkschaftlicher Organisierungsprozesse. Doch ist „Enercon“ nur eins von vielen Beispielen. Für uns alle in Magdeburg beginnt die alltägliche Ausbeutung bei einem Fahrscheinpreis von 1,80 Euro und setzt sich fort bei dem Versuch der Stadt die leere Stadtkasse durch überzogene Kontrollen des Ordnungsamtes bei „Parksündern“ und Hundebesitzern aufzubessern. Diese Zustände zu erkennen ist das eine, doch Widerstand braucht Mut und Phantasie.

„Habe einen Plan oder gehe dein Leben lang nur arbeiten…..“ (Egon Olsen)
Lasst uns Räume schaffen, in denen wir uns organisieren und vernetzen können. Lasst uns proletarische Selbsthilfeprojekte und Selbstschutzstrukturen schaffen und lasst uns gemeinsam die sozialen Kämpfe voranbringen. Wir treten ein für einen Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr, für kostenlose Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau für alle. Wir fordern mehr Lohn, weniger Arbeit sowie bessere Arbeitsbedingungen. Deswegen sprechen wir uns aus für die Organisierung unserer Klasse, selbstverwaltete Betriebe ohne Bosse und guten (günstigen) Wohnraum für Alle. Jeder Erfolg im täglichen Kampf um konkrete „Verbesserungen“ ist eine symbolisch gewonnene Schlacht gegen die herrschende Klasse und wird zu einem Symbol des Widerstandes für uns alle.
Wir müssen unsere Rolle als handelnde Akteure erkennen – denn nur gemeinsam werden wir hier was ändern. Dabei sollten wir als Klasse der Besitzlosen dafür sorgen zum ökonomischem Hebel zu werden, um die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse grundsätzlich zu verändern. Das Privateigentum an Produktionsmitteln gehört abgeschafft. Die Selbstorganisation und selbstverantwortliche Organisierung der ganzen Gesellschaft werden zur Grundlage für ein herrschaftsfreies, staaten- und klassenloses Miteinander.
Wir wollen uns unser Leben nicht durch den Staat und seinen Parlamenten, oder geizigen Bossen diktieren lassen. Wir werden unser Leben selbst in die Hände nehmen.
Komm zum 1.Mai und lass uns gemeinsam mit einer Stimme sprechen!

Kampf im Stadtteil, Amt und Betrieb – gegen ausbeuterische Politik!
Selbstverwaltung und Unabhängigkeit von unten organisieren!
Für die soziale Weltrevolution!

Zusammen kämpfen (Magdeburg)

Demonstration zum Tag der politischen Gefangenen am 18.März!


Sonntag 18. März 2012
15 Uhr – U-Bahnhof Samariterstraße
Berlin – Friedrichshain

“Weg mit den § 129 – Freiheit für Gülaferit Ünsal”

Am 18. März 2012 werden wir für die Freiheit aller politischen Gefangenen auf die Straße gehen.

An diesem Tag 1871 bewaffneten sich die Pariser ArbeiterInnen, verjagten die französische Regierung und bildeten 72 Tage lang eine Räterepublik. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. 30 000 Menschen starben, 38 000 wurden verhaftet. Seitdem wird am 18. März den politischen Gefangenen gedacht.

Seit über 140 Jahren fordern weltweit fortschrittliche Kräfte die Überwindung der bestehenden Verhältnisse und kämpfen für ein System in welchem es weder soziale noch politische Gefangene geben wird.

1922 wurde dann auf dem IV. Weltkongress der kommunistischen Internationale die Internationale Rote Hilfe (IRH) gegründet und die Durchführung eines internationalen Tages der politischen Gefangenen beschlossen, der am 18. März 1923 erstmals ausgerufen werden konnte.

Das vergangene Jahr 2011 war geprägt von weltweiten Aufständen und Revolten. Von dem Sturz der Diktatoren in Ägypten und Tunesien, über die Bildungsproteste in Chile und Kolumbien, den streikenden ArbeiterInnen in den Fabriken Chinas, der Occupy-Bewegung in den USA bis nach London, wo 2011 sozial benachteiligte Jugendliche revoltierten, entsteht neuer Widerstand. Die kapitalistischen Staaten antworten mit Massenverhaftungen, Folter, Mord und umfangreicher Ausforschung kritischer Menschen.

In den USA werden in der Folge des deklarierten „Kampfs gegen den Terror“ nach dem 11. September 2001 die verschärften Überwachungen, Misshandlungen und Gefängnisstrafen legitimiert durch den sogenannten “Patriot Act”. Europaweit wurden die Anti-Terrorgesetze ausgebaut…

Auch in Deutschland werden kritische AktivistInnen verfolgt und eingesperrt. Besonders krass in ihren Konsequenzen sind die Paragrafen 129, 129a und 129b. Es handelt sich um ein Gesinnungsstrafrecht, das bevorzugt gegen tatsächlich existierende oder konstruierte linke Zusammenhänge eingesetzt wird um diese auszuforschen und zu kriminalisieren.

Im Jahre 2004 gab es ein Verfahren nach dem §129a gegen Magdeburger Antifaschisten. 2009 wurden Axel, Olli und Florian wegen der Vorwürfe Bundeswehrfahrzeuge in Brand gesetzt zu haben und Mitgliedschaft in einer kriminelle Vereinigung (die „militante gruppe“) nach dem §129 angeklagt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der 2003 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung eingeführte §129b ermöglicht es nun auch Straftaten, welche außerhalb der BRD angeblich begangen wurden oder die nach dem deutschen Strafrecht oft gar nicht strafbar wären, wie zum Beispiel die Solidaritätsarbeit für politische Gefangene, hier verfolgen zu können. Dabei findet eine enge Zusammenarbeit mit den folternden Justizorganen dieser Staaten, wie zum Beispiel der Türkei, statt und Abschiebungen werden im Fall von Aussageverweigerung angedroht und umgesetzt

Seit 2008 kam es zu mehreren Anklagen und Verurteilungen linker kurdischer und türkischer AktivistInnen nach dem §129b. Ihnen wird vorgeworfen Mitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) beziehungsweise der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) gewesen zu sein.

Faruk Ereren wurde mit Hilfe von Aussagen, die unter Folter zu Stande kamen, Ende September 2011 zu lebenslänglicher Haft verurteilt, nachdem er eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft verweigerte, die ihm im Gegenzug dafür zuvor eine lediglich 4,5 jährige Haft angeboten hatte.

Aktuell befindet sich im Frauengefängnis Berlin-Lichtenberg Gülaferit Ünsal in Isolationshaft. Sie wurde am 21. September 2011 mithilfe des europäischen Haftbefehls von Griechenland nach Deutschland ausgeliefert. Als Begründung diente der Vorwurf Spenden gesammelt und Zeitschriften verkauft zu haben. Voraussichtlich im Frühsommer 2012 ist mit einem Prozess gegen sie und einer Anklage nach dem §129b zu rechnen. In Hamburg befindet sich der kurdische Genosse Ali Ishan Kitay in Isolationshaft und wartet auf einen §129b Prozess.

Isolationshaft bedeutet den weitgehenden Entzug aller Umwelteinflüsse und die völlige Vereinzelung des Menschen. Der Körper reagiert darauf mit extremen Symptomen. Seit 1970 kam sie unter anderem gegen die Gefangenen der RAF zu Einsatz. Diese Foltermethode wurde maßgeblich in Deutschland wissenschaftlich erforscht, und anschliessend weltweit, beispielsweise in die Türkei exportiert, wo sie in den F-Typ Gefängnissen als Teil einer EU Norm angewandt wird. Die Bundesregierung unterstützt mit den 129 b Prozessen das neokolonial ahängige türkische Regime und beteiligt sich an der Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung.

Die alltägliche Repression nimmt hierbei auch in Deutschland immer einschränkendere Züge an und wird entsprechend der technischen und politischen Möglichkeiten weiter ausgeweitet. Nach den Autobränden in Berlin und der darauf folgenden Panikmache um einen vermeintlichen „neuen linken Terror“ wurden in Berlin-Friedrichshain 2011 4,2 Millionen Handyverbindungsdaten gespeichert und ausgewertet – von jedem Menschen, der sein Handy im Bereich um einen Autobrand an hatte!

Während erfolgreicher Blockaden des Naziaufmarsches in Dresden 2011 hat eine weiträumige Überwachung stattgefunden. An einem Tag wurden mehr als eine Million Handydaten erfasst und gespeichert. Aufgrund antifaschistischer Aktivitäten in Dresden und Umgebung im Laufe des Jahres 2011, wurde gegen zahlreiche AktivistInnen ein Ermittlungsverfahren nach §129 eingeleitet. In Sachsen, Stuttgart, Berlin und Brandenburg fanden in diesem Zusammenhang Hausdurchsuchungen statt.

Antifaschistischer Widerstand wird kriminalisiert, während BRD Geheimdienste, in diesem Fall der Verfassungsschutz, den „Nationalsozialistischen Untergrund“ mit aufbauten, welcher zahlreiche Menschen ermordete.

Rassismus herrscht in besonderem Maße auch innerhalb der deutschen Polizei, die sich immer offener als selbsternannte Richter und Henker in einem verhält. Ihre Einschüchterung richtet sich, wie die Morde an Dennis J., Slieman Hamade und Oury Jalloh zeigen, gezielt gegen gesellschaftliche Minderheiten.

Auch politisch aktive Menschen mit einer langen Widerstandsgeschichte werden aktuell bedroht. Sonja Suder und Christian Gauger wurden im September 2011 von Frankreich nach Deutschland ausgeliefert. Aktuell erwarten sie ein Strafverfahren nach §129a, da ihnen vorgeworfen wird Mitglieder der Revolutionären Zellen (RZ) gewesen zu sein. So sollen sie unter anderem Anschläge im Rahmen einer antimilitaristischen, sowie einer stadtteilumstrukturierungs-kritischen Kampagne verübt haben. Beide verweigern trotz ihres Alters von 70 und 79 Jahren und jahrzehntelanger Illegalität jede Kooperation mit den staatlichen Repressionsorganen.

In spanischen und französischen Gefängnissen befinden sich nach dem Verbot mehrerer politischer Parteien und Jugendorganisationen, sowie der Verfolgung fast jeglicher Ansätze des baskischen Befreiungskampfes, 700 baskische Gefangene. Politische Gefangene in Spanien werden vor Sondergerichten verurteilt und befinden sich in den ersten 5 Tagen ihrer Haft in einer Incommunicadohaft genannten Kontaktsperre, während der sie sehr häufig Folter ausgesetzt sind. Dies betrifft auch die aktuell 52 Gefangenen der PCE (r), einer revolutionären Partei, sowie der Grapo, einer antifaschistischen Widerstandsorganisation.

Politische Repression in den USA zeigt sich am deutlichsten an den seit Jahrzehnten festgehaltenen politischen Gefangenen, die stellvertretend für ganze Bewegungen mit lebenslänglichen Haftstrafen oder sogar der Todesstrafe überzogen wurden. Wie bei so vielen anderen politischen Gefangenen wurden dem indigenen Aktivisten Leonard Peltier und dem afroamerikanischen Journalisten und ehemaligen Black Panther Mumia Abu-Jamal Polizistenmorde ohne jegliche Beweise untergeschoben. Peltier kämpft seit 1976 um ein neues Verfahren. Gesundheitlich schwer angeschlagen befindet er sich seit Jahren auf einer Odyssee durch Bundesgefängnisse, oft in Isolation. Mumia wurde 1981 sogar zum Tode verurteilt, obwohl die Manipulation seines Verfahrens weltweit bekannt wurde. Im Dezember 2011 musste die Justiz ihre Forderung nach Hinrichtung endgültig aufgeben. Im April 2012 wird es international zu Protesten und Aktionen für Mumias Freilassung kommen.

Die hier genannte weltweite Politik ist Teil eines staatlichen Mechanismus um die bestehenden kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse zu sichern. Dies soll allen die sie anzweifeln eine massive staatliche Macht signalisieren und ihnen mit Repressionen drohen, um sie davon abzuhalten, sich für menschlichere Alternativen zu diesem Gesellschaftssystem einzusetzen.

Alle Teile der fortschrittlichen und revolutionären Widerstandsbewegung müssen sich zusammenschließen, um sich mit den politischen und sozialen Gefangenen zu solidarisieren und linke Politik effektiv zu verteidigen!

Weg mit den §§ 129, 129a und 129b!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Hoch die internationale Solidarität!



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