Archiv für August 2013

Aufruf zur “Wahllos Glücklich” Demo am 21.09


Endlich ist es soweit. Die Mobi für die Wahllos Glücklich Demo beginnt. Den Anfang macht der Aufruf:

Die Geschichte der so genannten parlamentarischen Demokratie und ihrer Vertreter*innen ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Nicht nur, dass sich die meisten Menschen einbilden sie dürften mittels Wahlen ernsthaft an der politischen Entscheidungsfindung partizipieren, sie glauben auch allen Ernstes, dass dies auch nur ansatzweise etwas Ändern könnte am Status Quo. Im Idealfall dürfen die, welche Vater Staat für mündig erachtet, alle vier Jahre ihre Stimme abgeben, damit sie während der folgenden Legislaturperiode
eben jene nicht erheben. Strange! Stimme Abgeben – je nach Lesart
eine Zähleinheit oder aber die freiwillige Abgabe der eigenen Mündigkeit. Bis jetzt funktioniert dies auch recht ordentlich. Und damit sich der/die mündige Bürger*in ihrer/seiner Stimme auch ja nicht fernab der Schlacht …, äh Wahlkabine bemächtigt, gibt es die Agenda: Saufen, Kaufen, Bratwurstfressen zu der dann noch ein wenig Angst in der doof-deutschen Bevölkerung gesät wird.
Ob die Menschen jetzt Angst vor dem Terror, der angeblichen „Überfremdung“ oder dem sozialen Abstieg haben sollen, ist erstmal egal, Hauptsache gefügig!

Doch was wird da legitimiert, durch die Abgabe der Vertretung seiner/ihrer eigenen Interessen an Stellvertreter*innen? Zum einen werden die Besitzverhältnisse nicht tangiert, wenn sich alle Parteien – und sind sie noch so krude- im Rahmen der kapitalistischen Logik bewegen müssen. Dank Herrn Fukuyama wissen wir ja, dass das Ende der Geschichte vollzogen ist. Zum anderen wird die Struktur der Herrschaft nicht in Frage gestellt, wird die Herrschaft des Menschen über den Menschen abgesegnet und fortgeführt. Diese Herrschaftsverhältnisse bedingen Ausbeutung so genannten „Humankapitals“, die Marginalisierung von Menschen die nicht verwertet werden können, dies nicht wollen oder ob ihres Geburtsortes und/oder Familienstandes bei diversen Privilegien schlicht und einfach leer ausgingen. Auch werden direkte oder indirekte Bestrafung von Nonkonformität und die Kriminalisierung emanzipatorischer Bestrebungen – wobei mittlerweile auch schon ein kleines: „Na das finde ich jetzt aber nicht so pralle!“ ausreicht – durch Wahlen als rechtmäßig anerkannt. Wie selbstherrlich und menschenverachtend Politik sein kann, welche sich aufgeklärt und demokratisch schimpft, zeigt der, 1993 von einer als demokratisch legitimierten Bundestagsmehrheit beschlossene, „Asylkompromiss“, mit welchem Menschen- und Grundrecht faktisch abgeschafft wurden. Jetzt könnte mensch ja sagen: „Euch stehen doch demokratische Mittel der Partizipation wie z.B. Demonstrations- und Meinungsfreiheit offen.“ Ja, und dann? Die Vergangenheit zeigt, dass auf Ausdruck der Unzufriedenheit nicht selten mit Bullenknüppel und Reizgas geantwortet wird. Oder schlimmer noch, die Grundlagen der persönlichen Existenz durch politisch motivierte und pseudowissenschaftlich unterlegte Verfahren und Prozesse, wie zum Beispiel nach §129, gefährdet werden.

Doch um dem redundanten: „Ihr seid ja immer nur dagegen, nie für etwas!“ und „Geht doch nach Nordkorea, wenn’s euch hier nicht passt!“ zuvorzukommen, eines vornweg: jedes Anti ist immer auch ein Pro und wieso in die Ferne schweifen wenn das Gute …, ach, die hiesige Gesamtscheiße bis zum Himmel stinkt? Wir sind mit den Missständen hier nicht einverstanden und wir wollen hier etwas ändern. Hin zu einer Welt ohne Mauern und Grenzen, in der Menschen auf der Suche nach einer sicheren Zukunft und dem eigenen Glück gejagt, eingesperrt und abgeschoben werden oder den Tod erleiden! Wir kämpfen für eine Gesellschaft ohne menschenverachtende Einstellungen wie zum Beispiel Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Heterosexismus! Wir bekämpfen Staat und Kapital, da wir in einer Welt leben möchten, in der Reichtum nicht ungerecht verteilt ist, in der Menschen nicht selektiert werden nach Herkunft, Aussehen, Konformität und Verwertbarkeit und in der Lebenskonzepte fern irgendeiner Norm platz haben! Über solch wohlfeile Phänomene wie Patriotismus/Nationalismus wollen wir uns hier nicht auslassen, da dazu eigentlich nix mehr zu sagen sein dürfte.

Doch leider sind wir, in dem Land in dem „Gutmensch“ als Schimpfwort gebraucht wird und Menschen, die zivilgesellschaftliches Engagements als „Wutbürger- und Berufsdemonstrantentum“ diffamieren – nur um wenig später an Demonstrationen und Kundgebungen gegen Moscheen und „Asylantenheimen“ teilzunehmen –, von alle dem noch weit entfernt.

Deswegen wollen wir am 21.09 um 17 Uhr entschlossen, laut und gut gelaunt rauskotzen was uns stinkt! Wenn es euch genauso geht, dann kommt rum!

Und ja, dieser Aufruf ist immens verkürzt. Doch der Rahmen eines Aufrufes gibt es nicht her, alles was hier und überhaupt schief läuft halbwegs seriös analysieren und aufzeigen zu können.

Deswegen kommt am 21.09.2013 zu der Demonstration und lasst uns gemeinsam einen Weg finden uns zu artikulieren. Gemeinsam gegen Nazis, Nation, Kapital und Krisenpolitik – für eine selbstverwaltete und herrschaftsfreie Gesellschaft!