Archiv für Oktober 2013

16.11.2013 Bundesweite Demonstration: PKK-Verbot aufheben!


Wir unterstützen am 16.11.2013 die bundesweite Demonstration in Berlin und organisieren die gemeinsame Anreise. Damit folgen wir dem Aufruf vom [3A]* Re­vo­lu­tio­nä­res Bünd­nis und
dem Aufruf der Kampagne Tatort Kurdistan .

gemeinsame Anreise :
Zugtreffpunkt Leipzig Messe 16.11.2013 / 5.30Uhr Gleis2

Wer will kann uns bei Interesse oder Rückfragen eine
Mail schreiben an
A.O.Leipzig@gmx.net.

Aktuelle Infos findet ihr unter Kampagne Tatort Kurdistan und
[3A]* Re­vo­lu­tio­nä­res Bünd­nis!

Stoppt den Staatsterror! PKK-Verbot aufheben!


Auf­ruf von [3A]* Re­vo­lu­tio­nä­res Bünd­nis zur De­mons­tra­ti­on gegen das PKK-​Ver­bot am 16.​11 in Ber­lin

„Die po­li­ti­sche Agi­ta­ti­on der PKK und ihr na­he­ste­hen­der Or­ga­ni­sa­tio­nen hat zwi­schen­zeit­lich ein au­ßen­po­li­tisch nicht mehr ver­tret­ba­res Aus­maß er­reicht. (…) Eine wei­te­re Dul­dung der PKK-​Ak­ti­vi­tä­ten in Deutsch­land würde diese deut­sche Au­ßen­po­li­tik un­glaub­wür­dig ma­chen und das Ver­trau­en eines wich­ti­gen Bünd­nis­part­ners, auf das Wert ge­legt wird, un­ter­gra­ben.“
(aus der Ver­bots­ver­fü­gung des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums 1993)

Wir sagen: 20 Jahre PKK-​Ver­bot sind 20 Jahre zu viel!

Seit dem Er­lass des Ver­bo­tes im No­vem­ber 1993 wur­den zig­tau­sen­de Kur­den in Deutsch­land zu Geld- und Ge­fäng­nis­stra­fen ver­ur­teilt, hun­der­te Or­ga­ni­sa­tio­nen, Ver­ei­ne, Ver­an­stal­tun­gen, De­mons­tra­tio­nen und Kul­tur­fes­ti­vals ver­bo­ten und über 100 kur­di­sche Ak­ti­vis­ten nach den Will­kür­pa­ra­gra­phen §§ 129, 129a, 129b ver­ur­teilt, ja selbst der Pro­test gegen das Ver­bot wird immer wie­der ver­bo­ten und unter Stra­fe ge­stellt. Durch das PKK-​Ver­bot wird eine will­kür­li­che und gren­zen­lo­se Re­pres­si­on gegen Kur­din­nen und Kur­den er­mög­licht und selbst die de­mo­kra­ti­schen und kul­tu­rel­len Ak­ti­vi­tä­ten wer­den kri­mi­na­li­siert und ver­folgt.

In­ter­na­tio­na­ler Ter­ror gegen die kur­di­sche Be­we­gung
In der Tür­kei ver­sucht der re­ak­tio­nä­re tür­ki­sche Staat ge­mein­sam mit der fa­schis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schen Be­we­gung seit Jahr­zehn­ten die kur­di­sche Be­frei­ungs­be­we­gung durch einen schmut­zi­gen Krieg aus­zu­lö­schen und die Exis­tenz eines kur­di­schen Volkes zu ver­leug­nen, indem er kur­di­sche Kul­tur, Spra­che und Volks­or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­drückt und ver­bie­tet. Die­sem Krieg gegen das kur­di­sche Volk sind zehn­tau­sen­de Men­schen zum Opfer ge­fal­len. Dabei lie­fern deut­sche Kon­zer­ne nicht nur einen gro­ßen Teil der ein­ge­setz­ten Waf­fen an die Tür­kei und pro­fi­tie­ren somit von die­sem Krieg, son­dern der deut­sche Staat berät die Tür­kei auch in „Si­cher­heits­fra­gen“ und bil­det seit Jah­ren Teile der tür­ki­schen Re­pres­si­ons­or­ga­ne aus.
In Deutsch­land geht die Jus­tiz gegen die kur­di­sche Be­we­gung mit Re­pres­si­on, Ein­schüch­te­rung und groß an­ge­leg­ter Über­wa­chung vor und wird dabei immer wie­der von der Tür­kei zu här­te­rem Vor­ge­hen gegen kur­di­sche Ak­ti­vis­tin­nen und Ak­ti­vis­ten ge­drängt. Zudem fin­det ein dau­ern­der Aus­tausch der deut­schen und tür­ki­schen Ge­heim­diens­te über die kur­di­sche Be­we­gung statt.

Stoppt den Staats­ter­ro­ris­mus! Frei­heit und Frie­den für Kur­dis­tan!

Auch nach den an­ge­fan­ge­nen Frie­dens­ver­hand­lun­gen der Tür­kei mit der kur­di­schen Be­we­gung und dem be­gon­nen Rück­zug der Gue­ril­la aus Nord­kur­dis­tan setzt der tür­ki­sche Staat sei­nen Ter­ror gegen die kur­di­sche Be­we­gung wei­ter fort und be­rei­tet durch den Bau von über 100 neuen Po­li­zei-​ und Mi­li­tär­ka­ser­nen in Nord­kur­dis­tan einen neuen blu­ti­gen Krieg vor. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten rich­te­te der tür­ki­sche Staat mit den west­li­chen Im­pe­ria­lis­ten seine An­grif­fe vor allem gegen die er­rich­te­ten Selbst­ver­wal­tungs­struk­tu­ren in West­kur­dis­tan/Nord­sy­ri­en (Ro­ja­va): Wäh­rend das kur­di­sche Volk mit­ten im sy­ri­schen Bür­ger­krieg den Kampf für Frei­heit und De­mo­kra­tie auf re­vo­lu­tio­nä­re Weise führt und seine Selbst­ver­tei­di­gung und Ver­sor­gung in Volks­ko­mi­tees or­ga­ni­siert, het­zen die NA­TO-​Staa­ten fun­da­men­ta­lis­ti­sche Söld­ner wie die Al-​Nusra-​Front gegen Ro­ja­va. Die Tür­kei und die NATO un­ter­stüt­zen diese in Ro­ja­va und Sy­ri­en mor­den­den und plün­dern­den Ban­den fi­nan­zi­ell, mi­li­tä­risch und ge­heim­dienst­lich.

Wir ste­hen so­li­da­risch an der Seite der kur­di­schen Frei­heits­be­we­gung gegen jede Re­pres­si­on sei es in der Tür­kei, in Sy­ri­en, in Deutsch­land oder sonst wo. Der kur­di­sche Frei­heits­kampf lässt sich weder ver­bie­ten, ver­nich­ten noch auf­hal­ten, eben­so­we­nig wie un­se­re ent­schlos­se­ne und gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät!

Kommt zur De­mons­tra­ti­on nach Ber­lin und be­tei­ligt euch am In­ter­na­tio­na­lis­ti­schen Block!

De­mons­tra­ti­on | 16. No­vem­ber | 11 Uhr | Karl-​Marx-​Al­lee/Alex­an­der­platz | Ber­lin

Weitere Infos zur Demo findet ihr hier!

“Remembering means fighting!“ – Antirassistische Demonstration am 26.10.


Auf­ruf
Am 24./25.​10.​2013 jährt sich zum drit­ten Mal die Nacht in der Kamal von zwei Nazis er­sto­chen wurde. Kamal muss­te ster­ben, weil er nicht in das ras­sis­ti­sche Welt­bild sei­ner Täter pass­te. Seine An­ge­hö­ri­gen, Freun­d_in­nen und an­ti­ras­sis­tisch En­ga­gier­te er­reich­ten das, was seit 1990 in den sel­tens­ten Fäl­len ge­sche­hen ist. Der Mord an Kamal wurde vom Ge­richt als ras­sis­tisch mo­ti­viert an­er­kannt. In der Folge wurde der Mord an Kamal in die of­fi­zi­el­le staat­li­che Sta­tis­tik rechts mo­ti­vier­ter Morde auf­ge­nom­men.

Bun­des­weit zäh­len Jour­na­lis­t_in­nen mehr als 150 rechts mo­ti­vier­te Morde seit 1990, of­fi­zi­ell wer­den von der Bun­des­re­gie­rung le­dig­lich 63 an­er­kannt. Für Leip­zig er­ge­ben ak­tu­el­le Re­cher­chen sechs rechts mo­ti­vier­te Morde und wei­te­re drei Ver­dachts­fäl­le. Damit steht Leip­zig bun­des­weit nach Ber­lin an zwei­ter Stel­le. Neben Kamal wer­den in Leip­zig Nuno L. (1998: ver­starb an den Fol­gen eines An­griffs nach einem ver­lo­re­nen EM-​Spiel des deut­schen Fuß­ball­teams) und Ach­med B. (1996: er­mor­det vor einem Ge­mü­se­la­den auf der Karl-​Lieb­knecht-​Str.) of­fi­zi­ell an­er­kannt. Die An­er­ken­nung des ras­sis­ti­schen Tat­mo­tivs im Fall von Ach­med B. er­folg­te je­doch erst über 15 Jahre spä­ter An­lass dafür war die Auf­de­ckung der Mord­se­rie des NSU, in­fol­ge­des­sen auch der Druck auf säch­si­sche Be­hör­den zu groß ge­wor­den war, wes­halb eine er­neu­te Prü­fung rech­ter Ge­walt­ta­ten ver­an­lasst wurde.

Es sind vor allem die Opfer so­zi­al­dar­wi­nis­ti­scher oder ho­mo­pho­ber Ge­walt, die wei­ter­hin, auch ge­ra­de in Leip­zig, durchs Ras­ter fal­len. Und es ist eine Ver­flech­tung aus Be­hör­den, Jus­tiz und of­fi­zi­el­ler Po­li­tik, die rechts mo­ti­vier­te Ge­walt sys­te­ma­tisch ver­harm­lost, leug­net und unter den Tep­pich kehrt. Diese Spi­ra­le lässt sich nur ver­ste­hen, wenn sich die tiefe Ver­an­ker­ung von men­schen­feind­li­chen Ein­stel­lun­gen in die­ser Ge­sell­schaft ver­ge­gen­wär­tigt wird. Auch das Han­deln der In­sti­tu­tio­nen ist durch diese Denk­wei­sen ge­prägt. Die Nach­rich­ten über den “Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grund” scho­ckier­ten, aber nicht, wie so ge­nann­te “Ex­tre­mis­mus­ex­per­t_in­nen” mein­ten, weil Nazis or­ga­ni­siert mor­den, son­dern weil sie dies über Jahre hin­weg un­er­kannt tun konn­ten. Er­mög­licht wurde ihnen dies durch eine ras­sis­ti­sche Stim­mung, die die Taten der “Dö­ner­mör­der” in “in­ner­tür­ki­sche Kon­flik­te” und “Mi­li­eu­kri­mi­na­li­tät” um­deu­te­te. Be­zeich­nun­gen wie “Dö­ner­mör­der” und “Soko Bos­po­rus” sind nur die ober­fläch­lichs­ten Aus­drü­cke dafür. Auch des­halb ist es eine Farce, wenn jene “Ex­per­t_in­nen” von einer “neuen Qua­li­tät” rech­ter, ras­sis­ti­scher und men­schen­ver­ach­ten­der Ge­walt seit des NSU reden. Nazis mor­den nicht erst, seit es die so ge­nann­te “Zwi­ckau­er Zelle” gab.

Die Dis­kus­si­on über die Ver­stri­ckung des Ver­fas­sungs­schut­zes zeugt mehr von Ge­schichts­ver­ges­sen­heit als von über­zeu­gen­der Be­trof­fen­heit. Die VS-​Be­hör­den sub­ven­tio­nie­ren seit Jah­ren mi­li­tan­te und par­tei­ge­bun­de­ne Na­zior­ga­ni­sa­tio­nen über Zah­lun­gen an V-​Leu­te. Al­lein in Thü­rin­gen stan­den zwi­schen 1994 und 2000 dafür 1,5 Mil­lio­nen Euro be­reit. Auch die Ver­fas­sungs­schutz­skan­da­le der ver­gan­ge­nen Jahre be­le­gen, wie die­ses Geld di­rekt dem Auf­bau von Na­zior­ga­ni­sa­tio­nen zu Gute kommt und dass die V-​Leu­te in ein von ihnen kon­trol­lier­tes Sys­tem aus Geld- und In­for­ma­ti­ons­fluss ein­ge­bun­den sind. Der “Thü­rin­ger Hei­mat­schutz” ist für diese Pra­xis nur ein Bei­spiel von vie­len, und es weist auf ein sys­te­ma­ti­sches Pro­blem hin, das letzt­lich die Rolle und Funk­ti­on des “Ver­fas­sungs­schut­zes” als Gan­zes in Frage stellt.

To­le­rie­rung und Un­ter­stüt­zung der staat­li­chen Stel­len gehen dabei weit über das bis­her Be­schrie­be­ne hin­aus, denn der Ver­fas­sungs­schutz und seine Ideo­lo­gen im aka­de­mi­schen Be­trieb und den Mi­nis­te­ri­en pro­pa­gie­ren die Ex­tre­mis­mus­theo­rie. Mit Hilfe die­ser Kon­struk­ti­on wird nicht nur die all­täg­li­che Ge­walt von Nazis ver­harm­lost, son­dern es wer­den all jene kri­mi­na­li­siert, die sich ent­schlos­sen gegen Nazis und deren ge­sell­schaft­li­che Basis en­ga­gie­ren.

Dass ras­sis­ti­sche Ein­stel­lun­gen und Ab­wer­tungs­ten­den­zen tief in der Ge­sell­schaft ver­an­kert sind, zei­gen nicht nur die fehl­ge­lei­te­ten be­hörd­li­chen Er­mitt­lun­gen in Sa­chen NSU, son­dern auch das Agie­ren im Fall des Mor­des an Kamal. So war be­reits zu Be­ginn in der Lo­kal­pres­se zu lesen, dass “Kamal kein un­be­schrie­be­nes Blatt” sei, was As­so­zia­tio­nen auf einen “Mi­lieu-​Ge­walt­ver­bre­chen” we­cken soll­te. Ge­ra­de der Leip­zi­ger In­ter­net­zei­tung war es wich­tig, die Täter vor einer an­geb­li­chen Vor­ver­ur­tei­lung einer an­ti­ras­sis­ti­schen In­itia­ti­ve in Schutz zu neh­men, für eine So­li­da­ri­sie­rung mit Kamal und der Fa­mi­lie reich­te es auf der an­de­ren Seite na­tür­lich nicht. Ein ras­sis­ti­sches Tat­mo­tiv schlos­sen die Er­mitt­lungs­be­hör­den sys­te­ma­tisch aus, ob­wohl der na­zis­ti­sche Hin­ter­grund der bei­den Täter un­über­seh­bar war/ist.

Die Lüge vom Aus­stieg

Da­ni­el K. wurde als Mit­tä­ter am 08.​07.​2011 wegen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung an Kamal zu drei Jah­ren Haft ver­ur­teilt, die er zum Teil in einer Maß­re­gel­voll­zugs­an­stalt an­tre­ten soll. K. hatte sich mit Ver­weis auf seine ver­meint­li­che Al­ko­hol­krank­heit aus der Ver­ant­wor­tung an dem ras­sis­ti­schen Mord her­aus­ge­re­det. Die al­lei­ni­ge Schuld soll­te sein Ka­me­rad, der Nazi Mar­cus E., tra­gen. Je­doch stell­te sich vor Ge­richt ganz klar her­aus, dass Da­ni­el K. es war, der den gan­zen Abend immer wie­der die Kon­fron­ta­ti­on mit an­de­ren ge­sucht hatte, auch als er mit E. vor dem Leip­zi­ger Haupt­bahn­hof auf Kamal traf. Mar­cus E. wurde wegen Mor­des aus nie­de­ren Be­weg­grün­den zu 13 Jah­ren Haft mit an­schlie­ßen­der Si­cher­heits­ver­wah­rung ver­ur­teilt, was die An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft klar über­traf. Diese hatte für eine Ver­ur­tei­lung wegen Tot­schla­ges für Mar­cus E. und ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung für Da­ni­el K. plä­diert.
Seit zirka vier Mo­na­ten nach der Ur­teils­ver­kün­dung ist Da­ni­el K. im Maß­re­gel­voll­zug, d.h. in einer ge­schlos­se­nen Ent­zie­hungs­an­stalt, un­ter­ge­bracht. Auf sei­ner Face­book-​Sei­te ist er un­ter­des­sen ste­tig aktiv. Dort ge­fällt ihm nicht nur die NPD, “Die Rech­te”, die Junge Frei­heit, die Na­zi-​Hoo­li­gan-​Band Ka­te­go­rie C, Thor Stei­nar, son­dern auch die ver­bo­te­ne Ka­me­rad­schaft Aa­che­ner Land (KAL), in der er sel­ber ei­ni­ge Zeit aktiv war. K. ging An­fang der 2000er Jahre wegen eines Jobs von Leip­zig nach Aa­chen, wo er of­fen­sicht­lich po­li­tisch schnell an­knüpf­te. Bil­der zei­gen ihn dort u.a. an Front­trans­pa­ren­ten bei Na­zi-​De­mos unter dem Motto “To­des­stra­fe für Kin­der­schän­der” und bei der Glo­ri­fi­zie­rung der Wehr­macht.

Im Kon­text sei­ner KAL-​Mit­glied­schaft wurde K. 2007 zu einer Haft­stra­fe von drei Jah­ren und drei Mo­na­ten ver­ur­teilt. Im Knast lern­te K. Mar­cus E. ken­nen. Ihre Freund­schaft be­ruht auf ihrer ge­mein­sa­men Ideo­lo­gie. Beide sind mit Tä­to­wie­run­gen über­sät, die diese un­miss­ver­ständ­lich de­mons­trie­ren: sei es der SS-​Leit­spruch “Meine Ehre heißt Treue”, SS-​Ru­nen, Ha­ken­kreu­ze oder Schrift­zü­ge wie “Ras­sen­hass”. Vor sei­ner vor­zei­ti­gen Haft­ent­las­sung be­kun­de­te Da­ni­el K. schon da­mals ge­gen­über einem Sach­ver­stän­di­gen, dass er zwar aus der or­ga­ni­sier­ten rech­ten Szene aus­stei­gen wolle, seine rech­te Ge­sin­nung aber nicht ab­le­gen werde.

Bei ihrer Ver­haf­tung in der Tat­nacht 2010 tru­gen beide Kla­mot­ten der bei Nazis be­lieb­ten Marke Thor-​Stei­nar. Auf der Jacke von Da­ni­el K. war dabei die Kampf­an­sa­ge “Kick off An­ti­fa­scism” zu lesen. Ein Aus­stieg aus der Szene und eine Ab­kehr von sei­ner men­schen­ver­ach­ten­den Ideo­lo­gie war schon da­mals nicht glaub­wür­dig. Mit sei­ner ge­stän­di­gen Ein­las­sung am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag hatte K. je­doch stra­te­gisch klug agiert und den Schritt ge­wählt, den viele Nazis gehen, wenn sie doch mal vor Ge­richt lan­den. Er ent­schul­dig­te sich nicht nur mehr­fach bei der Fa­mi­lie von Kamal, son­dern be­teu­er­te nie­mals über­zeug­ter Nazi ge­we­sen zu sein. Auch die Tä­to­wie­run­gen hätte er an­geb­lich längst ent­fer­nen las­sen und die Na­zi­kla­mot­ten ab­ge­legt, wenn er dafür Geld ge­habt hätte. Da­ni­el K.s ak­tu­el­le Face­book-​Ak­ti­vi­tä­ten zei­gen je­doch, dass die da­ma­li­gen Aus­sa­gen, wie er­war­tet, ge­lo­gen waren und le­dig­lich aus straf­mil­dern­den Über­le­gun­gen ge­äu­ßert wur­den.

Wie auch in an­de­ren ver­gleich­ba­ren Fäl­len ist die Mär vom Aus­stei­ger, der zu viel Al­ko­hol kon­su­miert hätte und ideo­lo­gie­frei aus­ge­tickt wäre, auch in die­sem Fall wirk­mäch­tig ge­we­sen und für K. da­mals in Form eines mil­den Ur­teils auf­ge­gan­gen. Dabei blei­ben so­wohl po­li­zei­li­che Er­mitt­lungs­pan­nen und Ver­tu­schungs­ak­tio­nen bis heute un­hin­ter­fragt. Der Vater von Da­ni­el K. ist sel­ber Po­li­zist in Leip­zig und brach­te die Ta­sche von Mar­cus E. spä­ter im Ge­fäng­nis vor­bei. Jene Ta­sche wurde bei der Haus­durch­su­chung nach der Tat bei Da­ni­el K. nicht auf­ge­fun­den. Vor Ge­richt stell­te sich her­aus, dass of­fen­sicht­lich vor der Durch­su­chung auf­ge­räumt wurde. Wer dies getan hatte, konn­te nicht ge­klärt wer­den und die er­mit­teln­den Kri­mi­nal­po­li­zis­ten schien es auch nicht zu in­ter­es­sie­ren. Sie woll­ten es dem Vater nicht noch schwe­rer ma­chen, sagte ein Po­li­zei­zeu­ge vor Ge­richt aus. Das reich­te je­doch schon da­mals nicht zur öf­fent­li­chen Em­pö­rung.

Die somit ver­such­te Un­ter­schla­gung von Be­wei­sen für Da­ni­el K.s Mit­schuld am Tod von Kamal wurde nur noch durch schlam­pi­ge Po­li­zei­ar­beit ge­toppt. Die bei der Durch­su­chung an­we­sen­den Staats­schüt­zer_in­nen, waren nicht wil­lens oder fähig, Hin­wei­se auf eine ras­sis­ti­sche und neo­na­zis­ti­sche Ein­stel­lung Da­ni­el K.s zu fin­den oder gar mit­zu­neh­men, ob­wohl dort ei­ni­ges zu ent­de­cken war. So wur­den Pins mit Auf­schrif­ten des Ku-​Klux-​Clans und White Power nicht be­schlag­nahmt, schließ­lich seien diese ja nicht ver­bo­ten. Im Klei­der­schrank von K. fan­den die Be­am­ten an­geb­lich keine Sa­chen mit rech­ten Auf­schrif­ten. Dies wi­der­sprach of­fen­sicht­lich den Ein­las­sun­gen, die Da­ni­el K. am zwei­ten Pro­zess­tag ge­macht hatte. Er mein­te – an­ge­spro­chen auf den Pull­over mit neo­na­zis­ti­schem Auf­druck, den er wäh­rend der Tat trug –, dass er nicht über neu­tra­le Klei­dung ver­fü­ge, da er sich diese nicht leis­ten könne.
Die Bei­spie­le von Da­ni­el K. und Mar­cus E. sind keine Ein­zel­fäl­le. Immer wie­der ver­su­chen Täter ihre Na­zi-​Ideo­lo­gie klein zu­re­den oder ver­ste­cken sich hin­ter ihrer Al­ko­ho­li­siert­heit. Viel zu oft fol­gen Gut­ach­ter_in­nen, Staats­an­wäl­t_in­nen und Ge­rich­te die­ser Stra­te­gie der Ver­tu­schung.

Ver­schlepp­tes Ge­den­ken

Nach dem Tod von Kamal und dem Auf­de­cken der ras­sis­ti­schen Morde des NSU wur­den auch in Leip­zig Stim­men für die Eta­blie­rung einer lo­ka­len Er­in­ne­rungs­kul­tur für Opfer rechts mo­ti­vier­ter Ge­walt der Ge­gen­wart laut. Die Stadt hatte diese Ver­ant­wor­tung zu die­sem Zeit­punkt mit Ver­weis auf die Ver­an­stal­tun­gen zur Er­in­ne­rung an die Opfer der Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft ab­ge­lehnt. 2011 grün­de­te sich beim Mi­gran­ten­bei­rat der Stadt Leip­zig nichts­des­to­trotz die AG Er­in­ne­rungs­kul­tur, die für die Eta­blie­rung einer ei­ge­nen Er­in­ne­rungs­kul­tur für die Men­schen ar­bei­tet, die phy­sisch und psy­chisch durch Hand­lun­gen im Be­reich der grup­pen­be­zo­ge­nen Men­schen­feind­lich­keit be­trof­fen waren. Das erste Ziel der AG ist die Er­rich­tung eines Ge­denk­or­tes für Kamal am Tat­ort ge­gen­über des Haupt­bahn­ho­fes.

Trotz An­bin­dung an die Stadt­ver­wal­tung haben die Be­mü­hun­gen der AG über an­dert­halb Jahre nicht zum Ziel ge­führt. So­wohl Lan­des-​ als auch städ­ti­sche Be­hör­den leg­ten den En­ga­gier­ten, die in engem Kon­takt mit den An­ge­hö­ri­gen ste­hen, Stei­ne in den Weg. Zu­erst lehn­te es das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge ab, den Ge­denk­ort in der Mül­ler-​An­la­ge am Haupt­bahn­hof, wo Kamal er­sto­chen wurde, auf­zu­stel­len. Die er­teil­ten Auf­la­gen führ­ten auf­grund von Ein­wän­den der Stadt­ver­wal­tung im Fe­bru­ar 2013 dazu, dass die In­stal­la­ti­on, die maß­geb­lich nach den Vor­stel­lun­gen der Mut­ter von Kamal ge­stal­tet wor­den war, “unter künst­le­ri­schen As­pek­ten nicht mit­ge­tra­gen wer­den kann”. Nach­dem sich der Ober­bür­ger­meis­ter noch im Juli 2013 die­ser Po­si­ti­on an­ge­schlos­sen hatte, kam es im Sep­tem­ber zu einer jähen Wen­dung. Mut­maß­lich aus Angst vor schlech­ter PR wur­den alle Bar­rie­ren, die der AG samt Fa­mi­lie von Kamal ent­ge­gen­schlu­gen, aus dem Weg ge­räumt. Am 24.​10.​2013, drei Jahre nach dem Tod von Kamal, soll nun ein Ge­denk­ort ein­ge­weiht wer­den.

Ein ver­schlepp­tes Ge­den­ken, das für die Hin­ter­blie­be­nen von Kamal schmerz­voll und er­nüch­ternd war, Nazis, die vor Ge­richt wie­der und wie­der mit der Lüge vom Aus­stieg durch­kom­men, die ras­sis­ti­sche Durch­drin­gung von Be­hör­den und die blei­ben­de Ver­leug­nung von Op­fern rechts mo­ti­vier­ter Ge­walt ma­chen eine an­ti­fa­schis­ti­sche und an­ti­ras­sis­ti­sche In­ter­ven­ti­on wei­ter­hin not­wen­dig.

Wir wol­len auch in die­sem Jahr dem Mord an Kamal und allen Op­fern rech­ter Ge­walt ge­den­ken. Wir kämp­fen für die Über­win­dung von Ras­sis­mus, So­zi­al­dar­wi­nis­mus und Ho­mo­pho­bie.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen sowie Mo­bi­ma­te­ri­al er­hal­tet ihr auf der Seite von „Ras­sis­mus tötet Leip­zig“ !

Aufruf zur Demonstration in Berlin am 16. November 2013


Friedensprozess unterstützen – PKK-Verbot aufheben

Im Frühling 2013 begann in der Türkei eine Zeit der Hoffnung auf Frieden und demokratischen Wandel. Nach jahrzehntelangem Kampf ist die Anerkennung und Gleichberechtigung der Kurdinnen und Kurden in der Türkei in greifbare Nähe gerückt. Der von der PKK eingeleitete Waffenstillstand und der am 8. Mai begonnene Rückzug ihrer Kämpferinnen und Kämpfer aus der Türkei sind deutliche Schritte. Die türkische Regierung verhandelt seit Ende 2012 direkt mit dem Vorsitzenden der PKK, Abdullah Öcalan. Damit ist er als politischer Vertreter der Kurdinnen und Kurden in der Türkei anerkannt worden.

Beim Newroz-Fest in der kurdischen Metropole Diyarbakir haben am 21. März ein bis zwei Millionen Menschen friedlich und von der Polizei unbehelligt mit zehntausenden von PKK-Fahnen und Öcalan-Bildern gefeiert und demonstriert. Dialog und Veränderung stehen auf der Tagesordnung. Der Friedensprozess in der Türkei kann sich positiv auf den ganzen Mittleren Osten auswirken.

Dieser Aufbruch sollte von Deutschland und Europa aus entschlossen unterstützt werden. Dazu gehört, dass die Einschränkung der öffentlichen Meinungsäußerung und der Versammlungsfreiheit von Kurdinnen und Kurden durch Verbote und Strafverfahren aufhört.

Vor 20 Jahren, am 26. November 1993, hat der damalige Innenminister Manfred Kanther das Betätigungsverbot für die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Deutschland verfügt. Tausende wurden seitdem zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt, hunderte nach Behördenmeinung der PKK nahestehende Institutionen, Vereine und Veranstaltungen verboten. Seit 2012 sind kurdische Politiker auch noch auf der Grundlage des § 129b für die mutmaßliche Mitgliedschaft in bzw. Unterstützung einer „ausländischen terroristischen Vereinigung” angeklagt.

Das politische Engagement zehntausender Kurdinnen und Kurden in Deutschland ist durch diese Maßnahmen stark eingeschränkt. Alle, die sich für die Rechte der Kurdinnen und Kurden einsetzen, sind von Kriminalisierung und staatlicher Repression bedroht, wenn sie sich nicht ausdrücklich von der PKK distanzieren.

Die Aufhebung des PKK-Verbots sowie die Streichung der PKK von der Terrorliste der EU wären wichtige Schritte auf dem Weg von Dialog und Konfliktlösung. Für diese Forderungen und für eine demokratische Entwicklung in der Türkei und im Mittleren Osten wollen wir am 16. November 2013 in Berlin demonstrieren.

Weitere Infos zur Demo findet ihr hier!